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| Während des 2. Weltkrieges wurden in Reutlingen ca. 4000 Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in kriegswichtigen Industriebetrieben, aber auch in der Landwirtschaft oder in Handwerksbetrieben eingesetzt. Die meisten davon waren sog. "Ostarbeiter", stammten also aus Polen, Russland oder Tschechien. Es gab jedoch auch sehr viele "Westarbeiter", z.B. aus Frankreich, Holland oder Belgien. |
| Der größte
"Arbeitgeber" mit rund 500 Zwangsarbeitern war die Firma Heim in
der Wannweiler Straße in Betzingen. Diese Firma produzierte Tragflächen
und Höhenleitwerke für Hitler's angebliche Wunderwaffe V1.
Sie tat dies in den Fabrikanlagen der alteingesessenen Betzinger Strumpffabrik
Schickhardt und unterstand direkt dem "Reichsluftfahrtministerium"
Auf Foto von Fabrik klicken, um mehr über die bei Heim produzierten Tragflächen zu erfahren |
Im Juli 2005 wurden
die Fabrikgebäude abgerissen
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| Von großer Qualität waren die von Heim hergestellten Produkte offenbar nicht: Zwar wurden insgesamt über 8000 dieser V1 Wunderwaffen Richtung England abgeschossen, davon stürzten jedoch 2000 durch technische Probleme schon kurz nach dem Start über Deutschland ab, 4000 weitere wurden durch die britische Flugabwehr abgeschossen. | Fabrikanlage
mit wechselhafter Vergangenheit:
Erst Strumpf-Fabrik Schickhardt, dann Hitler's Wunderwaffen-Fabrik. Anschließend produzierte die Firma Detzel in diesem Betrieb jahrzehntelang Babykleidung, hat nun aber ihren Sitz in das Betzinger Industriegebiet Mark West verlegt. Seither verfallen die ehemaligen Fabrikgebäude zusehends. |
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Die Zwangsarbeiter wurden meist in werkseigenen Barackenlagern untergebracht, weil dies den Betrieben so vorgeschrieben wurde. So entstanden 1943 am Betzinger Ortsrand in der Jettenburger Straße auf Höhe der heutigen Gaststätte "Karlshöhe" insgesamt 5 Baracken für Zwangsarbeiter der Firma Heim. Eine davon steht auch heute noch und beherbergt den Betzinger Jugendclub STYLE |
| Die Zwangsarbeiter der Firma Heim mussten ihre Baracken selbst bauen. Es kam zwar von einer Betzinger Baufirma ein Maurer, quasi als "Überwacher", sämtliche übrigen Arbeitskräfte wurden von der Firma Heim gestellt. Eine solche Wohnbaracke hatte ein Grundfläche von ca. 60 m2 und war neben einfachen sanitären Anlagen mit ca. 30 Holzpritschen oder Stockbetten ausgestattet. Der Lebensraum pro Person betrug also gerade mal 2 m2 |
| Trotzdem konnte
nur ein Teil der Zwangsarbeiter der Firma Heim in diesem Barackenlager
an der Jettenburger Straße untergebracht werden. Die anderen kamen
entweder auf dem Werksgelände unter
oder in verschiedenen Häusern in der Mühlstraße und Wannweiler Straße bei Betzinger Familien. Auch in der Meisterschule Im Wasen wurden Klassenzimmer und Arbeitsräume mit über 100 Betten für die Zwangsarbeiter von Wilhelm Heim belegt. Einige wenige, vermutlich privilegierte Fremdarbeiter und höchstwahrscheinlich "Westarbeiter" wurden im Gasthaus Hirsch einquartiert. |
| Ein anderes Barackenlager für Zwangsarbeiter ließ die Firma Emil Adolff, die im Krieg Kartuschen herstellte, am Schieferbuckel erbauen. Dieses Lager wurde im damaligen Jargon als "Adrula" bezeichnet (Adolffs Russen-Lager). Einige Gebäude dieses ehemaligen Lagers stehen noch und werden auch noch bewohnt. |
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Text auf der Gedenktafel:
WÄHREND DES
ZWEITEN WELTKRIEGES WAREN IM REUTLINGER STADTGEBIET ANNÄHERND 4000
AUSLÄNDISCHE ZWANGSARBETERINNEN UND ZWANGSARBEITER EINGESETZT. ÜBER
100 VON IHNEN FANDEN DEN TOD.
WIR GEDENKEN IHRER |
| Im Oktober 2002 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Russenlagers "Adrula" diese Gedenktafel angebracht | ![]() |
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Auch die
Firma Gminder ließ in unmittelbarer Nähe zur Fabrik an der
Hauffstraße in Betzingen etwa auf dem Areal der heutigen Stadtwerke
ein Barackenlager für Zwangsarbeiter herrichten.
Das Barackenlager gab es bis weit in die 50er Jahre hinein: Nach dem Krieg wurde es als Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge genutzt, danach als Behelfsunterkunft für sozial schwache Familien. Erst mit dem Einsetzen des sozialen Wohnungsbau verschwanden die Wohnbaracken an der Hauffstraße. |
| Die Baracken der Firma Gminder wurden zwar in den Kriegsjahren von Fremdarbeitern bewohnt, aber nicht eigens für sie errichtet. Sie stammten bereits aus dem Jahre 1925 und waren ursprünglich für weibliche Arbeitskräfte der Firma gedacht. Danach wurden die Behelfsbauten vom NS-Arbeitsdienst genutzt, ehe sie der HJ zur Verfügung gestellt wurden. |
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Auf dem Gelände
des ehemaligen Barackenlagers an der Hauffstraße steht heute das
Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Reutlingen. Am linken Bildrand der
neue Gaskessel - nicht mehr zylindrisch, sondern kugelförmig.
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| Die Federzeichnung
von Normann Bögle zeigt die Ansicht des Barackenlagers an der Hauffstraße
im Jahre 1948, als es noch als Unterkunft für sozial schwache Familien
diente. Links der alte Gaskessel des Gaswerkes, im Hintergrund die Fabrikanlagen
der Fa. Gminder, am rechten Bildrand die Reithalle und das Proviant-Amt. |
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