|
|
![]() |
![]() |
![]() |
|
|
|
|
| Aus den Reutlinger Nachrichten
vom 10.11.2008
Ein "gscheiter Narr"
Das Leben des Heisel Rein: Hellmut G. Haasis macht aus der Lesung eine Performance.
"Ich bin ein Betzinger. Das ist nicht weiter schlimm, vielen anderen gehts auch nicht besser." Diese Ouvertüre zeigt schon, wo es lang geht mit der Geschichte des "Eulenspiegels von der Echaz". So nennt nämlich Hellmut G. Haasis den Heisel Rein, der eigentlich Reinhold Häußler hieß. In Betzingen habe ihn ab den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast bis heute ein jeder gekannt, behauptet Haasis am Freitagabend in einer gut gefüllten Zehntscheuer. "Die Geschichten sind aber drauf und dran, verloren zu gehen." Über einige Umwege sei Heisels literarischer Nachlass vor der Haustür von Haasis gelandet, mit der kurzen, anonymen (hier ins Hochdeutsche übersetzten) Notiz an den Empfänger: "Wenn du schon nichts Vernünftiges arbeitest, dann kannst du wenigstens die Geschichten vom Heisel Rein rausbringen." Als der Schriftsteller die Aufzeichnungen des Betzinger "Eulenspiegels" las, habe er sich köstlich amüsiert - und beschlossen, diese Zeilen in einem Buch zusammenzufassen. Was Haasis aber offensichtlich nicht gefiel: Die politische Färbung all der Streiche, die Heisel Rein der Obrigkeit spielte, sei in den mündlichen Überlieferungen mit der Zeit verloren gegangen. Hellmut Haasis habe deshalb in dem vorliegenden Buch eine gewisse "Renovierung - wie bei einer alten Wandmalerei in einer Kirche" - vorgenommen. Das Publikum in der Zehntscheuer amüsierte sich prächtig über die Geschichten des Heisel Rein: In der Pause gingen die Bücher weg, wie die sprichwörtlichen "warmen Wecken". Und eigentlich war die Lesung weit mehr als das: Haasis untermalte seine Worte mit Kerzenschein und einer "Multimedia-Show" mit alten Bildern aus Betzingen oder von Reinhold Häußler. Zudem beließ der Schriftsteller es nicht allein bei den gelesenen Zitaten - sein Auftritt geriet mehr und mehr zu einer Art Performance, in die Haasis, der auch als Clown Druiknui bekannt ist, zahlreiche schauspielerische Elemente mit einwob. In diesem Stil erzählte der Autor am Freitagabend etwa Geschichten, wie Heisel Rein den Ortspolizisten oder den Betzinger Pfarrer und auch den Spieß beim Militär spitzbübisch an der Nase herumführte. Musikalisch begleiten ließ sich Hellmut Haasis von Andrej Mouline aus Moskau, einem Virtuosen an der russischen Bajan-Ziehharmonika. Seine Finger schienen fast schon magisch über das Instrument zu fliegen und dabei Melodien aus Argentinien, Frankreich oder Russland zu produzieren - die Zuhörer waren begeistert. "Ohne das Ende von Heisel Rein in Grafeneck wäre die Geschichte aber nicht vollständig", hatte Bezirksbürgermeister Thomas Keck zum Beginn der Veranstaltung in der Zehntscheuer betont. Und so finden sich auch im Buch von Haasis im zweiten Teil, nach den aufgeschriebenen Schwänken, Texte über den unfassbaren Tod des "Eulenspiegels von der Echaz". Begonnen hatte das Ende Heisels mit seiner Einweisung in die psychiatrische Anstalt nach Weissenau bei Ravensburg. Von dort aus wurde Reinhold Häußler 1940 mit den grauen Bussen nach Grafeneck abgeholt. Von dort kehrte er aus dem bekannten Grund
nie mehr zurück: Wie 10 653 weitere Menschen wurde auch der "gscheite
Narr" dort in der so genannten Aktion T4, einer Probephase der industriellen
Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten, ermordet.
|
| Aus dem Reutlinger Generalanzeiger vom
10. Nov. 2008
Lesung - Hellmut G. Haasis präsentiert sein Buch über den Betzinger Eulenspiegel Heisel Rein. Das Original foppte Militär, Polizei und Kirche. Sein Ende war tragisch Humor gegen braune Schreihälse In keinen anderen Händen wäre der von Zeit gezeichnete Berg dreckiger Papierstücke besser aufgehoben gewesen als in diesen: Hat Haasis doch - das attestierte ihm einst eine Zeitzeugin - eine gewisse Ähnlichkeit mit dem legendären Betzinger Spaßmacher. In einem äußerst humoristischen Rahmen präsentierte Haasis am vergangenen Freitag in der Betzinger Zehntscheuer sein Buch »Heisel Rein - der gscheite Narr«. Für musikalische Untermalung sorgte der russische Bajan-Ziehharmonika-Spieler Andrej Mouline.In seinen Geschichten erzählt das einstige Betzinger Original Heisel Rein, wie er in eulenspiegelhafter Manier Autoritäten foppt - ob Militär, Polizei oder Kirche, keiner ist vor ihm sicher. Seinen Mitbürgern stets willkommene Unterhaltung, sind Reins Streiche lediglich den Obrigkeiten ein Dorn im Auge. Im Deutschland der 30er-Jahre konnte dies nicht ohne Folgen bleiben - seine Geschichten zeugen davon. Es ist beklemmend, wie sich plötzlich der geistreiche Humor mit der düsteren Realität der politischen Situation mischt. Heisel Rein will sich der Diktatur nicht beugen, rebelliert unverdrossen mit seinem Humor gegen die »braunen Schreihälse«, muss sich letztlich aber doch geschlagen geben.Im Jahr 1940 fällt er, das war bisher noch Wenigen bekannt, der Euthanasie zum Opfer. Heisel Rein wird wie 10 000 andere in Grafeneck ermordet. Bis kurz vor seinem Tod nutzt Rein sein Talent und schildert sein Leben in der Psychiatrie. Spätestens hier wird auch deutlich, warum Heisel Rein ein kluger Narr ist. Beeindruckend, mit welch scharfsinnigem politischem Bewusstsein er die gesellschaftlichen Veränderungen im NS-Staat wahrnimmt und schildert, und wie hellsichtig er schon im Jahr 1939 das Ende des Regimes prophezeit.Hellmut G. Haasis trennt seine Publikation in zwei Abteilungen - hier die humoristischen Schwänke, dort die Ermordung Heisel Reins -, wodurch besonders deutlich wird, dass nicht nur ein rührend-komischer Einblick in die Betzinger Lokalgeschichte der 30er-Jahre vorliegt, sondern auch ein historisches Dokument von nicht zu unterschätzendem Wert. Die Schwänke Heisel Reins sind nun nicht mehr auf mündliche Überlieferung angewiesen und werden folgende Generationen genauso berühren und erfreuen, wie sie es zu Lebzeiten des »gscheiten Narren« taten. Das Buch »Heisel Rein - ein gscheiter Narr«, erschienen im Freiheitsbaum-Verlag, ist im Handel erhältlich. |
| Heiner Jestrabek (Heidenheim)
Besprechung eines neuen Romans
des Georg-Elser-Biografen
Es ist reizvoll, einen regional auffallenden
Autor bei seiner weiteren Entwicklung zu beobachten. Das gilt auch für
den Elser-Biografen Hellmut G. Haasis, der sich nach politischen Grundlagenbüchern
an einen Roman wagte. Wird der Autor seine Linie aufgeben oder ihr die
Treue halten?
Heiner Jestrabek (Heidenheim)
|
|
von Silvester Lechner Hellmut G. Haasis Schwänke und Ermordung eines schwäbischen Eulenspiegels, Reutlingen 2008; 120 S., 12,- €.
Die Lebensgeschichten der Opfer des
Nationalsozialismus sind zum größten Teil mit ihrer Ermordung
verloren gegangen. Wenigstens sind in den letzten Jahren zu den "Nummern"
der Opfer in vielen Fällen deren Namen und Lebensdaten erschlossen
worden. Ihr Denken und Handeln, ihr Glück und Unglück im Leben
sind jedoch nur in Ausnahmefällen erhalten geblieben.
Gute historische Kenntnisse, großes psychologisches Einfühlungsvermögen und eine nicht allzu große schriftstellerische Eitelkeit sind Voraussetzungen, um fiktionale Geschichtsschreibung nicht nur lebendig, sondern auch glaubwürdig und lehrreich werden zu lassen. In dem neuen historischen Roman von Hellmut G. Haasis, der vor einigen Jahren eine erfolgreichen Biografie über Georg Elser vorgelegt hatte, sind diese Voraussetzungen weitgehend gegeben, auch wenn in fast jeder Zeile spürbar ist, dass der Autor sich sehr mit dem Schelmisch-Unangepassten seiner Hauptfigur identifiziert. Haasis wählt einen sozial randständigen
Menschen mit dem Spitznamen „Heisel Rein“, eigentlich Reinhold Häußler,
zum „Helden“. Er wurde 1878 in Betzingen geboren, heute ein Stadtteil von
Reutlingen. Die Zeit noch mehr als der Autor gliedert die Lebensgeschichte
in zwei Teile: in die Zeit vor der „Machtergreifung“ der Nazis und die
Zeit danach. Heisel Rein, fürs „anständige“, arbeitsame Leben
eines schwäbischen Dorf-Menschen nicht gemacht, wird zum Spaßvogel,
zum liebenswürdigen Spötter und „Narren“. Dabei nimmt er – Haasis
protokolliert das
Heisel Rein kommt ins „Fürsorgehaus“, dann in die Psychiatrie in der Weissenau bei Ravensburg. Und schließlich steht da 1940 das Schloss in Grafeneck. der Ort der Ermordung von über 10.000 behinderten Menschen. Das Buch, ein Schelmenroman mit traurigem Ende, ist lebendig und spannend erzählt und reizvoll illustriert. Leider fehlt eine historisch-dokumentarische Verankerung an Hand der vom Autor gefundenen Quellen. Oder ist alles Fiktion? Wie auch immer: auch die Fiktion ist lesenswert. (sl)
|
|
(Betzinger Blättle vom 14. November 2008 Der Förderverein Ortskern Betzingen
trat am letzten Freitag im Rahmen der 750-Jahr-Feier in der Zehntscheuer
als Veranstalter auf. Eingeladen hatte die Vorstandsschaft den seit vielen
Jahren in Betzingen lebenden Auto Hellmut G. Haasis. Für ihn der richtige
Zeitpunkt, seinen Roman "Heisel Rein - der Gescheite Narr" vorzustellen.
Rund 150 Interessenten leisteten der Einladung Folge.
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Heiner Jestrabek (Heidenheim)
Hellmut G. Haasis: Heisel Rein Georg-Elser-Biograf
Hellmut G. Haasis präsentierte seinen neuen Roman. Schon auf den ersten
Blick unterscheidet sich diese Neuerscheinung von der üblichen
Buchproduktion durch eine ansprechende Grafik, mit hübschem
Lesezeichen, historischen und stimmungsvollen Fotos. So taucht man
gespannt in einen Stoff ein, der zwar in der schwäbischen Provinz
angesiedelt ist, aber auch andernorts für lehrreiche und kurzweilige
Lektüre sorgen kann.
|